20 Kinder, 20 Stühle, null Fokus?Warum das klassische Klassenzimmer ausgedient hat.
Wir fordern von jungen Talenten Agilität und Teamgeist, stecken sie aber jahrelang in starre Räume von gestern. Als Innenarchitekten wissen wir: Verhalten folgt der Architektur. Wir zeigen dir, wie Activity Based Learning funktioniert und wie es vom Primarschulkind bis zum Berufsschüler wirkt.
Architektur prägt Haltung: Das Ende der «Sitz-Anstalt»
Hand aufs Herz: Die meisten Schulhäuser funktionieren architektonisch noch immer wie vor 100 Jahren. Ein rechteckiger Raum, 20 Kinder, 20 Stühle, alle blicken nach vorn. Diese Anordnung kommuniziert unmissverständlich: «Hier wird konsumiert, nicht kollaboriert.»
Als Planer für moderne Arbeitswelten wissen wir: Wer Agilität will, muss Räume schaffen, die Agilität zulassen. Wenn wir Schülerinnen und Schüler auf eine Arbeitswelt vorbereiten wollen, die Eigenverantwortung und Projektarbeit verlangt, müssen wir die architektonischen Fesseln lösen.
Unser Ziel ist es nicht, Klassenzimmer einfach nur neu zu möblieren. Wir wollen Lern-Ökosysteme zur Verfügung stellen, die unterschiedliche Arbeitsmodi überhaupt erst ermöglichen.

Bild: Agilität lernt man nicht auf starren Stühlen. Flexible Module ermöglichen Schülerinnen und Schülern, ihre Lernumgebung selbst zu gestalten.
Activity Based Learning: Jede Aufgabe braucht ihren Ort
Das Prinzip ist simpel: Der Raum passt sich der Tätigkeit an – nicht umgekehrt. Damit das funktioniert, gestalten wir Zonen, die intuitiv signalisieren, was dort passiert.

Bild: Weg vom Frontalunterricht, hin zum Projektteam: Solche Zonen simulieren die Arbeitswelt von morgen und fördern die aktive Zusammenarbeit.
Hier sind die drei wichtigsten Säulen für dein neues Lern-Design
1. Die Deep-Work-Zone (Fokus & Ruhe):
- Die Gestaltung: Hier arbeiten wir mit schallabsorbierenden Materialien und diffusem, angenehmem Licht, das eine wohnliche Atmosphäre schafft, ohne müde zu machen.
- Das Ziel: In einer Welt voller Ablenkung wird Konzentration zur wichtigsten Ressource. Hier finden Lernende den Fokus für Einzelarbeit.

Bild: Ruhe bitte! Akustisch wirksame Materialien wie Filz und Holz sorgen dafür, dass Gruppenarbeit und Konzentration im selben Raum möglich sind.
2. Der Co-Creation Hub (Kollaboration & Austausch):
- Die Gestaltung: Mobile Tische, beschreibbare Wände und Stehtische. Alles ist multifunktional und situativ anpassbar – die Jugendlichen formen den Raum so, wie es die Situation gerade erfordert.
- Das Ziel: Innovation entsteht im Austausch. Hier darf es lebhaft sein, hier wird diskutiert und im Team gelöst.

3. Die Social Plaza (Energie & Gemeinschaft):
- Die Gestaltung: Ein Mix aus gemütlichen Sitzgelegenheiten, haptisch spannenden Textilien und aktivierenden Farben.
- Das Ziel: Dieser Ort dient dem sozialen Kitt und der Zusammengehörigkeit. Die dynamische Gestaltung fördert den informellen Austausch auf Augenhöhe.

Wächst der Raum mit? (Von Primar bis Berufsschule)
Funktioniert das nur an der Uni? Nein. Das Prinzip «Activity Based» gilt überall, aber die Architektur passt sich dem Alter an:
- Primarschule: Hier fördern wir den natürlichen Bewegungsdrang. Die Zonen sind spielerische «Lernlandschaften», die Struktur geben und Entdeckungslust wecken.
- Oberstufe, Gymi & Berufsschule: Hier rückt die Autonomie ins Zentrum. Der Raum ähnelt modernen New-Work-Büros. Jugendliche lernen Selbstorganisation: «Gehe ich für diese Aufgabe in die Bibliothek oder an den Projekttisch?» Das ist der beste Simulator für die spätere Arbeitswelt.

Bild: Die «Social Plaza»: Lernen ist ein sozialer Prozess. Informelle Begegnungszonen sind der Kitt, der eine Klasse (oder ein Team) zusammenhält. Textilien und Teppiche schlucken den Schall und sorgen dafür, dass Gruppenarbeiten möglich sind, ohne den ganzen Raum zu beschallen.
Best Case Schweiz: FHNW Campus Brugg-Windisch
Wie so etwas im grossen Massstab aussieht, zeigt das Projekt von Evolution Design am FHNW Campus in Brugg-Windisch. Die Herausforderung war typisch: Breite, ungenutzte Korridore – klassische Verkehrsflächen.
Durch intelligente innenarchitektonische Interventionen wurden diese in lebendige Lern- und Aufenthaltszonen verwandelt.
- Was wir daraus lernen können:
Flächeneffizienz: Auch «tote Winkel» werden durch massgeschneiderte Einbauten zu wertvollem Lernraum. - Leitsystem durch Design: Unterschiedliche Farb- und Formwelten helfen den Studierenden, instinktiv den richtigen Ort für ihre aktuelle Aufgabe zu wählen.
Zum Projekt geht es hier.

Bild: Best Case aus der Schweiz: Ein grosses Kompliment an unsere Kollegen von Evolution Design. Am FHNW Campus Brugg-Windisch beweisen sie eindrücklich, wie man durch intelligentes Zoning und tolles Design aus Verkehrsflächen echte Lern-Hotspots macht.
3 Expertentipps für deine Planung
- Akustik ist die Basis: Offene Konzepte scheitern oft am Lärmpegel. Akustiksegel und Teppichzonen sind keine «Extras», sondern die Grundvoraussetzung für die Akzeptanz.
- Partizipation schafft Akzeptanz: Beziehe Lehrkräfte und Lernende in die Planung ein. Wer den Raum mitgestaltet, identifiziert sich mit ihm und übernimmt Verantwortung.
- Lichtplanung neu denken: Weg von der sterilen Rasterleuchte hin zu verschiedenen Lichtszenarien, die zwischen «Fokus» und «Kollaboration» unterscheiden.

Bild: Schluss mit der «Bodenhaltung» – vom Durchgangsort zum Lernort: Mit der richtigen Möblierung werden Korridore zu vollwertigen Breakout-Zones, in denen Gruppen bequem arbeiten können, statt am Boden zu hocken.
Zuerst formen wir unsere Gebäude, danach formen sie uns.Winston Churchill
Dein Work-Rebels-Quick-Win: sofort umsetzbar
Du musst nicht sofort das ganze Budget auf den Kopf stellen. Starte mit der «2-Zonen-Regel»:
Markiere einen Bereich im Raum (z. B. durch einen anderen Teppich oder einfache Trennwände) als «Absolute Silent Zone». Hier wird nicht gesprochen, nur konzentriert gearbeitet. Im Rest des Zimmers herrscht der «Team-Modus». Allein diese räumliche Klarheit verändert das Arbeitsklima sofort – ohne teure Investition.

Bild: Kleine Intervention, grosse Wirkung: Schon einfache Raumtrenner oder Farbwechsel helfen Schülern, zwischen Fokus- und Austauschphasen umzuschalten. Breite Korridore werden bestens für Gruppenarbeiten genutzt.
Bist du bereit, die Schule neu zu denken?
Gute Architektur ist Pädagogik in Form von Raum. Ein «Activity Based» Schulhaus ist eine Investition, die sich doppelt auszahlt: In das Wohlbefinden der Menschen heute und in die Kompetenzen der Fachkräfte von morgen.
Wir sind die Work Rebels – wir hinterfragen den Status Quo und bauen Räume, die Freiheit zulassen. Gehst du den Weg mit uns?

Bild: Ein Ort, an dem man gerne bleibt – auch nach dem Klingeln. Atmosphäre ist der unsichtbare Lehrplan jeder Schule.
Über die Autorin dieses Blogartikels

Olivia Hager
Olivia Hager ist Designerin und Creative Monkey bei Work Rebels. Sie liebt es, Farben, Formen und Materialien ins richtige Licht zu rücken. Mit einem Auge fürs Detail versteht sie es, Mensch und Raum zu vereinen.

